Rainer Wetz
Lohsestrasse 55
50733 Köln
Hier war ein Text über die Zeit bis heute 1.1.26 – bestimmt 2 DIN A4 Seiten von mir diktiert / erzählt. Und weiß der Teufel, warum… Alles gelöscht und verloren! Zu doof und ärgerlich. Ich werde die Tage mir abends auch noch mal Zeit nehmen, um die Tage dennoch zu beschreiben, weil es einmal schon witzig ist, das brasilianische Weihnachtsfest zu erleben. An sich ist es ganz einfach: ein Weihnachten in unserem Sinne gibt es nicht!
Also noch mal neu: ich hatte im Dezember 25 nach den Bestrahlungen und der letzten Horrornacht wirklich Angst den 22 Stunden Flug nach Florianópolis durchzuführen. Auch mein lieber Daniel war sich unsicher. Ich war einfach sehr runter und schwach. Am Freitag einen Tag vor Abflug bin ich noch mal in die Notfallstation vom der Uniklinik und bin durch einen glücklichen Zufall zu einer Praxis verwiesen worden der Deutschen Hausärzte. Und dort war ein reisebegeisterter und erfahrener Arzt, der mir empfahl, da ich ja Business Class 10 Stunden schlafen kann, mir einen Blasenkatheter zu setzen, den ich nach dem Flug wieder selber herausziehen kann. Er hat es mir kurz gezeigt, wie ich den Blasenkatheter aus und ein führen kann und wie ich den Verschluss hinbekomme und auch wieder auflösen kann. Ach, ich liebe einfach diese eindeutigen, praktischen, ja auch humorvoll, unterstützenden praktischen Ärzte, die sich auch nicht in die persönliche Entscheidung dann ein mischen. Ich habe es genauso gemacht (extrem unangenehm ein Blasenkatheter). Ich hab den Flug auf dieser Art prima überstanden, Daniel war mir eine große Hilfe dabei. Als wir dann in Floripa nach 23 Stunden von unserer Ana empfangen und betreut im Haus waren, hab ich mir selber den Katheter rausgezogen. Und ab da ging es aufwärts: die Sonne, die Wärme die Temperaturen, die nie unter 23° gingen, waren so hilfreich. Daniel, Lele, Isabel sowie auch Beatriz die immer mal dazu kam, waren für mich eine sichere Heimat.
Extrem doof, dass ich mir gleich wieder ein neues krankes Thema angezogen habe: ich habe ja keine Milz mehr. Und das bedeutet, dass meine Immunsystem schon schwach ist – beziehungsweise ich bin schon gefährdet mit Pilzinfektionen und bakteriellen Infekten. Und so hab ich dann mir eine Bakterie eingezogen, die im Nagelbett sich breit macht. Der Arzt im Krankenhaus hat sofort mir ein spezielles Antibiotikum verschrieben, dass ich fünf Tage nehmen musste und das mit sich brachte, dass ich nicht an die Sonne gehen darf. Die ganze Zeit +2 Tage! Absurd in der Gegend.
Und noch einen drauf: beim nächsten duschen, stelle ich fest, dass mein rechter Hoden dreifach so groß ist – absurd! Und gleich natürlich Angst von Hoden Krebs oder was es sonst noch gibt. Also bin ich mit Daniel an einem Sonntag (!) ins Krankenhaus von Florianópolis gefahren. Aber auch hier war nach einer Ultraschalluntersuchung klar, dass es nur ein Wasser Ansammeln war und ich abwarten muss, dass es langsam wieder normal wird. (Hydrozele). Aber auch dafür wurde ein anderes spezielles Antibiotikum verschrieben. Nur war eben bereits 5 Tage, die ich in Brasilien war, bereits wieder eine neue Schwächung meines Körpersmit 2 Antibiotika. Und meine liebe kleine Familie hat mich mit Ana gut versorgt und bei Laune gehalten.
Aber eigentlich fand ich es spannend, dass ich wirklich mit hoher Anstrengung nach Brasilien gereist bin, dort merke, dass es mir sehr, sehr gut tut und dann aber wirklich brutal einen doppelten Stoppball gespielt bekomme. Reiner Zufall / Rainer Zufall? Noch mal ein Test, ob ich auch mit Niederlagen umgehen kann oder was soll die Scheiße??? Und natürlich kommt da bei mir grundsätzlich hoch mein erstes Kindheit Trauma, das die Frage in mein weiteres Leben einpflanzte: „was passiert denn hier? Scheisse! Wie überlebe ich?“. Und jetzt, wo ich dankenswerterweise durch Carlotta meine grundlegenden Traumata kennen gelernt habe, muss ich nicht wieder damals in Ohnmacht fallen, in Total Blockade. Sondern ich habe die Möglichkeit, in das ganze eschehen mir meinen Sinn zu legen. Bei mir ist es tatsächlich so, wenn ich verstehe, was ist und dass es kein gezielter Angriff auf mich ist, und dass ich nicht etwas machen kann, dass es sofort nicht wäre. Sondern es ist da. Es ist so, und es ist meine Entscheidung, ob es eine kampforientierte Abwehr sein soll oder ob es eine wichtige Erfahrung soll.
Eine Frage von Christiane in einer WhatsApp Nachricht: „was macht es mit dir, dass du dich so viel um deinen Körper kümmern musst?“ – also wie ich mit den ständigen gesundheitlichen Einschränkungen umgehe. Und es ist inzwischen eigentlich immer so:
- Ich versuche erst mal diese Situation zu verstehen, ohne sie mit Panik zu belegen: Welche Krebsart wie welche Alternativen gibt es? Was muss ich noch genauer wissen oder soll ich es einfach sein lassen? Welche Weltsicht / Einstellung von mir wird durch das neue Phänomen am meisten getriggert? Darf ich da vielleicht was lernen, das ich noch nicht bedacht habe?
- und dann überlasse ich mich ganz interessiert, den jeweiligen Lösungswegen. Was verursacht, dass meine Darmflora so durcheinander kommt? Nach zwei Tagen, was macht das, dass ich jeder Art von Sonne auf meiner Haut als Schock und Verbrennung spüre? Wie ist es, nicht Fahrradfahren zu können und und nur nachts, wenn es wirklich dunkel ist, laufen zu können? Ach, und das hab ich ganz vergessen, ich habe gleich aus Deutschland aus der Horrornacht noch mitgebracht, dass ich einen Bandscheibenvorfall hatte. Das hat dann natürlich mit sich gebracht, dass ich in Brasilien am Stock ging und nicht Fahrradfahren konnte, was ja hier wirklich meine freudige Leidenschaft ist. Also noch mal. Fakt war, dass ich extrem auf das Haus verworfen war und nicht raus konnte in die Sonne beziehungsweise sogar das Regen Licht hat mir auf der Haut gebrannt. Also: was sind die Lehren all dieser Einschränkungen? und das rauszubekommen hat mir Freude gemacht. Ich fand das spannend und habe gebastelt im Haus, bin rumgelegen auf der Couch, habe das Wassersystem studiert, mich mit ChatGPT über das Grundwasser generell und in Rio Tavares weitergebildet, morgens Yoga gemacht, Möbel umgestellt et, et, et…
- mir ist ja der Sysiphos Mythos (Camus) ein zentrales Werk: also war Sisyphus als glücklich zu bezeichnen. Und so sage ich manchmal ironisch zu mir: also ist Rainer als glücklich zu bezeichnen.
Ja, und das war heute Abend 4. Februar auch wieder ein schöner Abend mit meinen Erinnerungen… und natürlich auch Zukunfts-Hoffnungen…
2025 Weihnachten
Ja, Also, hier ist es wirklich sehr un-weihnachtlich! Einige wenige auf der Straße haben diese Nikolaus Zipfelmützen auf. Nur im Edel-Supermarkt steht am Eingang ein Angestellter Schreihals im wirklich peinlichen Nikolaus Kostüm und schreit „Feliz Natal“. Die Leute laufen völlig ohne Kontakt im weiten Bogen um ihn herum, weil es so laut ist.. Und die Kinder ebenfalls – eigenartig. Ansonsten sind überall Panettoni zu kaufen. Sonst nichts Weihnachtliches… und morgen trifft man sich bei irgendeinem aus der Familie, das ist ja eigentliche Weihnachtstag. Wir gehen alle zu den brasilianischen Großelter zum Mittagessen. Beatriz und ihre Schwester helfen beim Kochen. Aber natürlich kein Weihnachtsbaum oder Weihnachtsschmuck. Es ist einfach nichts besonderes. Daniel und zwei Freunde treffen sich um 6:00 Uhr morgens am Strand und surfen bis 8:00 Uhr. Dann gehen Sie ins Sportstudio für 2 Stunden und kommen so zwischen zehn und elf wieder zurück in „deutsche“ Großvater-Haus, von wo wir dann zu den portugiesischen Großeltern fahren in der Innenstadt für ein wunderbares Mittagessen. Das war’s dann für Weihnachten!
Wir, die deutsche Familie, essen heute Abend einen Braten in unserem neuen Bräter, den wir uns geschenkt haben… und wir kochen gemeinsam. Das macht immer Freude…. Daniel der Oberkoch mit Lele an 2. Stelle, dann ich für Salat und Isabel wäscht immer gleich ab und macht Ordnung, und ich habe großen Spaß, sie immer wieder zu veräppeln. Es ist halt einfach sehr angenehm sehr angenehm, weil „Köche“ gerne alles liegen lassen und mit den Gewürzen und Resten echt rumsauen… Jakob deckt den Tisch!
Draussen tobt ein Ungewitter mit reichlich Regen – einerseits ein wunderschönes Spektakel. Andererseits aber ist der Regen so heftig auf die kleinen Scheiben, dass das Wasser durchaus über die schönen portugiesischen Kassetten auf den Fenstern herein läuft. Da müssen wir doch irgendwas fundamental ändern. Und was auch wunderbar ist, wir brauchen den Garten nicht zu wässern! Die Außentemperatur ist von 32° auf 26° gefallen! Es ist jetzt 18:00 Uhr und in eineinhalb Stunden wollen wir essen und dann ein wenig Geschenke verteilen und vielleicht ein Netflix schauen. Das Tageslicht wird 19:20 Uhr vom Himmel ausgeknipst – es gibt sowas wie Dämmerung nur sehr kurz.
Ich bin sehr müde, und könnte jetzt schon ins Bett gehen – aber das schon was zu früh. Tagsüber war ich mit einer weiteren gesundheitlichen Baustelle im Krankenhaus. Nach der Blutuntersuchung wurde deutlich, dass ich im Finger beziehungsweise Nagelbett ein Bakterium habe, dass die Entzündung im letzten Fingergelenk hervorgerufen hat. Also zum gegenwärtig noch bis Samstag laufenden Antibiotikum nun das neue für den Finger!ein spezielles Antibiotikum fürs Nagelbett – ne ich versteh’s nicht. Das Antibiotikum muss ich 5 Tage lang einnehmen und darf insgesamt sieben Tage nicht an die Sonne. Pervers hier in der Gegend.
Daniel und Isabel haben in den ganzen Tagen bis zu ihrem Abflug nach Deutschland ständig morgens um 6:00 Uhr (11:00 Uhr in Köln) ihre Surfboards gepackt und sind an den Strand zum Wellen surfen gegangen – beide meisterlich! Lele und Jakob waren dagegen nur gelegentlich im Sportstudio, aber ansonsten am Schreibtisch und die Bachelorarbeit schreiben.
Ich dagegen habe festgestellt, dass ich wirklich kein Strand- und auch kein Wasser Mensch mehr bin. In der ganzen Zeit, die ich jetzt in Brasilien im Haus bin, war ich nur dreimal am Strand, und nur deshalb, weil der Weg dahin so wunderschön ist. 15 Minuten vom Haus über die Dünen durch den Mangroventunnel ans Wasser – wunderschön! Auch habe ich seit meinem Unfall auf Bali Angst nun im Wasser. Ich gehe höchstens bis zu den Waden ins Wasser, und dann zieht, saugt der Atlantik, selbst wenn er ganz ruhig ist, mir den Sand unter den Füßen weg, dass ich einfach Angst bekomme und schnell rausgehe.
Seit 17. beziehungsweise 19. Januar sind Daniel und die beiden Mädchen wieder in Deutschland zum Studium. Daniel ist bereits schon wieder eine Woche in China gewesen. Also geht das Leben so ganz normal weiter. Obwohl ich fast mit Daniel wieder zurückgeflogen wäre, weil ich Angst hatte so ganz alleine hier zu leben. Aber ich erhole mich hier sehr. Ana kommt einmal täglich 3-4 Stunden und ist mir wirklich eine große Hilfe, weil sie immer jedes Mal das Haus und die Apartments feucht wischt und wenn es mir mal nicht gut geht und ich nicht gut aufgeräumt habe oder die Küche versaut habe, weil ich mich sehr schnell ekle, dann macht sie Ordnung und hat überhaupt kein Problem damit. Denn ihr Mann, ein reizender Brasilianer hat auch Diabetes, und dem muss sie alles, aber auch alles ständig machen. Das ist aber witziger Typ, der jetzt als Rentner zwei Auerochsen aufpäppelt und betreut!
Mir geht’s also recht gut. Und ich genieße die soziale Einsamkeit – eigentlich falsch! Ich genieße das häufige soziale Alleinsein und fühle mich absolut nicht einsam. Ja, es geht soweit, dass ich es prima finde, dass mein portugiesisch/Brasilianisch inzwischen gut reicht, einzukaufen. Aber darüber hinaus geht es nicht und so ist meine Kontakt Welt einfach eingegrenzt. Es ist nun der 4. Februar, und mit großer Freude habe ich mich vorhin nach dem Abenteuer mit der Bank ITAÚ, hier erstmal zum Erholung Schläfchen niedergelassen. Und Ana ist nach Hause gegangen und jetzt zum Beispiel nach dem aufwachen und etwas essen, freue ich mich so richtig, hier für mich den ganzen Abend zu erleben ohne jede Art von Druck Druck irgendwas erledigen zu müssen. Selbst das Verfolgen der Welt politischen und regionalen Wahnsinnszustände per TV oder Spiegel oder NY Times oder KONTRAFUNK würde meine Freude nur mit mir zu sein zerstören….
Für die restliche Zeit bis 10. März wünsche ich mir noch, dass ich das Gebiet hinter Florianópolis erkunden kann. Das ist ein riesiges Mittelgebirge. Typ Schwarzwald, denke ich. Aber natürlich mit brasilianischen Gewächsen und Bäumen. Da freue ich mich sehr drauf und wenn ich niemanden finde der mich begleitet, fahr ich alleine hin. Die Straßen müssen sehr abenteuerlich sein…
