Februar 2023 in Brasilien – Teil 1

Hallo guten Morgen meine lieben Freunde, hallo guten Morgen liebe Gedanken, 

ich habe mich schon beim ganzen Frühstück heute gefreut, wieder mit euch über dieses Medium Kontakt aufzunehmen und zu reflektieren, was so läuft. Spontan, bereit auch zu „labern“. Ich verbessere nichts wirklich. 

Es ist so, dass ich an einem der wiederum schönsten Plätze bin (Google Earth „Barra do Lagoa“) mit einer wunderschönen Lage zum spazieren gehen, leicht wandern aber auch ins Touristen Städtchen gehen Und dort zum Strand – aber das ist mir ehrlich gesagt zu weit zu laufen über eine mehr oder weniger hässliche durchgangsstraße ne halbe Stunde und dann wieder zurück. Das ist mir zu viel nun trotz möchte ich für mich festhalten. Was sind diese Woche passiert ist und das ist eigentlich das Wichtige, es mir selber so zu beschreiben, dass ich später weiß und ahne was anderes noch dahinter steht oder damit verbunden ist und dass ich auch die einzelnen Ereignisse nicht vergesse. Die ganze Woche ist damit spezialisiert, dass Daniel und Isabel nach den Wasserfällen Fosse de Iguazu geflogen sind, dort die irrsinnigen, ich glaube Welt größten Wasserfälle (Niagara ein Pippi dagegen). Und danach sind sie nach Sao Paulo zu Freunden und auch zur brasilianischen Familie. Ich hätte da auch mitreisen sollen, aber ich kenne die Fosse und war mit Barbara dort und Sao Paulo interessiert mich überhaupt nicht. Natürlich ist da auch immer die Sprachbarriere mit entscheidend und meistens können wir uns zwar irgendwie mit meinem Spanisch portugiesisch italienisch französisch Latein-Gemisch oder auch englisch miteinander in Kontakt bringen. Aber es bleibt eben extrem an der Oberfläche. Jedenfalls bin ich auch da nicht mitgefahren, sondern habe mir selber an der Barra da Canal das Airbnb Häuschen gemietet, dass ich ja schon beschrieben habe. Und da bin ich im wesentlichen geblieben Noch mal auf die Spitze getrieben: keiner hier in der Umgebung spricht aber auch nur ansatzweise englisch. Außer einem Bootsführer, der ein gutes deutsch sprecht. Aber der war die ganze Woche hier nicht eingesetzten auch nicht mehr zu sehen. Schade. Andererseits hätte ich auch keine Zeit dafür gehabt. 
Ich bin einfach ungeheuer beschäftigt, für adäquate Nahrung zu sorgen, also ausgewogen Obst, Gemüse, Reis, Haferflocken etc. Brot zu mir zu nehmen, die entsprechenden Enzyme dazu zu nehmen, damit mein Körper sie überhaupt aufnimmt (wenn ich das vergesse, zahle ich mit einem großen, relativ schnellen Energieabfall und entsprechend Graue Gedanken). Überhaupt beschäftigen mich zu tiefst die Frage meines Ich Bewusstsein aufgrund der Abhängigkeit von den Hormonen, Säften, Nahrung und psychische Prägungen. Wo ist da freier Wille?

Wie auch immer, ich habe hier ein begnadetes Plätzchen und kann alleine hier sehr gut wirtschaften – Typ Camping. Aber das kostet mich mehr oder weniger den ganzen Tag. Ich habe dann am ersten Tag hier einen Arztbesuch in der Stadt für Augen. Ich hatte nämlich mit Daniel zusammen die Woche davor eine Ersatz lese und Sichtbrille für 200 € gekauft, und da muss man für die brillenstärke und das genauer ein schleifen, zuerst zu einem Augenarzt, der seine Praxis auch praktisch in der Shopping Moll hat. Und da stellte sich raus, dass das ein Augenarzt ist, der vier Jahre in Marburg Deutschland studiert hat, und der fragte, ob ich auch interessiert wäre, generell meine Augen untersuchen zu lassen. Und da ich meine Augen wirklich untersuchen sollte, müsste, es aber in Deutschland nicht geschafft habe, hab ich zugesagt und bin jetzt am vergangenen Montag in seiner Klinik, d.h. in eine Art Ärztehaus, in dem mehrere Augenärzte sich das ganze Equipment teilen. Und für insgesamt 600 € wurde dann alles mit den modernsten Maschinen, soweit ich das verstehe, durchgeführt und dabei war ich wirklich platt, wie sehr da persönliche Betreuung auf die Spitze getrieben ist. Allein an der Rezeption sitzen vier junge Frauen die sich gegenseitig überbieten, ohne Englischkenntnisse, den eintreffenden Patienten ordentlich zu versorgen. Und dann bekommt jeder Patient eine Betreuerin, die ihn durch die ganzen technischen Apparate Welt führt. Ja und das Ergebnis war sehr toll, überraschend, da ich ja bei der deutschen Augenärztin, kurz nach Barbaras Tod, die Empfehlung hatte, ich müsse mich unbedingt gegen den grauen Star an operieren lassen. Aber ich hab das damals nicht gemacht, weil es mir etwas verdächtig vorkam. Und das bestätigte sich jetzt! mein grauer Star ist Zweifels ohne vorhanden. Er liegt im rechten Auge bei 40 %. Das sollte man in ein bis 3 Jahren durchaus operieren. 
Ansonsten beglückwünscht er mich, weil weder diabetische Schädigung noch Makula Degeneration, oder grüner Star auch nicht in Ansätzen feststellbar war. Er meinte, in diesem Leben wird da nichts mehr passieren. Wenn es nach den Augen ginge, würde ich 110 oder mehr alt werden… Und da haben wir Beide gelacht!
Und beglückwünscht hat er mich zum Zustand meiner Netzhaut: statistisch, so perfekt wie bei einem 26-jährigen!. Mit einem frohen Hoch bin ich raus und bin noch den Umweg gefahren zum einkaufen im Floripa Shoppingcenter. Und dann kam gleich die Strafe auf dem Fuß: ich war so gut gelaunt, dass ich auch vergessen habe, weiter auf meinen Blutzucker und/oder die ausreichende Ernährung zu achten. Ich hätte da zumindest eine Mango mit meinen entsprechenden Enzymen essen müssen Die Mango mit einem Basalwert von 51 – also wenig stark den Blutzucker steigernd aber volle Ernährung bietet. Aber ich hab das vergessen und kaufe fröhlich im Supermarkt ein und merke nur an der Kasse, dass ich nicht richtig verstehe, was ich zahle, was der will, wie ich das einpacke. Ich war Irgendwie daneben, wie ich es sonst nicht kannte. Und als ich dann irgendwie rauskam, merkte ich, dass ich nicht mehr verstehe, was und wo ich bin und was ich will. Ich merkte nur, dass ich alles kenne, aber den Sinn nicht verstehe. Ich hab die Menschen gesehen, ich hab das Einkaufszentrum gesehen, ich hab alles gekannt, aber ich wusste nicht wie es zusammen hängt und was das mit mir zu tun hat oder andersrum. Ich habe alles nur gesehen aber nicht gewusst was es ist Und das Unbehagen wurde immer stärker und dann merkte ich, dass offensichtlich ich wohl unterzuckere und habe absolut eilig mir Bananen, was das einzige war was ich gerade so sehen konnte, rein gestopft und es wurde immer schlimmer. Ich hatte sogar den Anflug des Gefühls, was ich im Krankenhaus paarmal hatte, total kühl: „Ach so, das ist wohl das Ende… ok so wird es sein, eigenartig… ) ich hab dann Gott sei Dank ein Plätzchen auf der Bank gegenüber gefunden und hab mich so gesetzt, dass niemand mich direkt sieht und merkt wie ich so langsam weggleite. Ich habe so gemacht, als ob ich was am Boden suche. Aus der zunehmenden Un-Bewusstheit, aber alles wahrzunehmen, habe ich gerade noch mal meine Notfalltasche aufgemacht, die Augen geschlossen und merkte nach irgendeiner Zeit, dass langsam mein Bewusstsein wieder kam. Zuerst hab ich gemerkt, dass ich am Eingang des Supermarkt bin, dass ich alles bezahlt habe, dass niemand in der Umgebung irgendwas gemerkt hat und komisch guckt und dass alles in Ordnung ist. Dann hab ich gemerkt dass die Rolltreppen die nach unten führen zur Tiefgarage führen, wo ich das Auto stehen habe etc. etc. und nach ungefähr einer halben Stunde war mein Blutzucker wieder im Bereich von 60 also immer noch unter zu wenig – aber doch eine gewisse Klarheit schon! ich habe mich dann ins Auto gerettet, Traubenzucker gegessen und bin nach 1 Stunde Erholung zurück an die Barra do Lagoa gefahren. 
Das Glück beim Augenarzt, die Unkonzentriertheiten, und das beinah Drama im Shopping Center (!!!! – ironischer fürs Ende geht’s nimmer). Das hat mich total geschlaucht, so dass ich den Dienstag, soweit ich es in Erinnerung habe ,nur am Deck oder auf dem Bett verbracht habe und den Donnerstag bin ich auch nicht weggegangen. Ich war einfach in einer gelähmten Vorsichtshaltung. Diese Lähmung, oder besser diese Implodieren in meine innere Welt hat bis zum Freitag angedauert, ich bin zwar am Donnerstag noch völlig dumpf ins Sportstudio, bin aber dann am Freitag bei brütender Hitze wieder den ganzen Tag im Häuschen geblieben. Und ein wahnsinniges Gewitter am Freitagabend mit schwarzem Himmel und Blitz, der alle 20 Sekunden mit furchtbarem Knall ins Wasser haute und dann kühler Sturzflut-Regen war dann die Erlösung von der drückenden Schwüle, meiner Lähmung und Verwicklung in meine innere Welt, meiner Unfähigkeit nach außen zu gehen.
Und beschäftigt war ich seit Dienstag bis zum Gewitter gestern innerlich mit den Erkenntnissen aus der Therapie, deren Trauma Zusammenhänge mich immer noch aus der Kurve hauen. Ja und ich finde auch immer neue Verbindungen mit meinen Lebensereignissen, die ich zumindest damals nicht anders konnte durchführen. …… Und jetzt???, Am Ende meines Lebens? 

Wie auch immer, im Hintergrund steht oder im Vordergrund steht jetzt, dass ab Sonntag Daniel wieder da ist und wir die restlichen zehn Tage in einem Haus verbringen direkt hinter den Dünen am Atlantik. In Campeche. Und in den ersten Tagen muss ich mich entscheiden, ob ich noch einen Monat hierbleibe oder mit Daniel zurück fliege. Und diese Entscheidung fällt mir nicht leicht, denn nach Deutschland zieht mich nicht wirklich etwas. Aber dort ist eben Sicherheit, alles bekannt, klarer ärztlicher und Büro, Putzfrau, Haushälterin halt Unterstützung. Und wenn ich hierbleibe, ist eigentlich alles wunderbar außer Kommunikation und sichere Betreuung. Ja, ich muss mir eingestehen, dass ich Betreuung brauche. Ich kann auch alles alleine machen, aber dann bin ich den ganzen Tag beschäftigt. 

Oh ich glaube ich bin jetzt entweder unter oder über zuckert! Nein, alles okay! Dann muss irgendwas Anderes vorliegen, denn ich kann das geschriebene nicht richtig lesen, weil ich Sehstörungen habe. Blutzucker?, Ernährung? Gut, ich beende, schicke den Text einfach ab und kümmere mich um meinen Körper, der jetzt nicht mehr selber reguliert, sondern das Gehirn braucht zur Regulation. 

tschau Freunde 
tschau Gedanken.

Ein Kommentar

  1. Rein testweise versuche ich hier ein Ereignis zu beschreiben, das ich auf meinem Deck kurz vor der Abfahrt zu dem neuen Haus in Campeche erlebte, und das mich zu tiefst berührte, und jetzt immer noch!

    Ich war zum Abschied auf dem Deck und habe mit einer Nachbarin und ihren Kinder ins Wasser geplatscht. In der anderen Ecke sehr mit dem Rücken abgewandt, saß eine junge Frau im weißen Badeanzug oder im weißen modernen neuen Outfit und schaute überhaupt nicht zu uns her, obwohl hier gute Stimmung war. Und das ist nicht sehr brasilianisch, ich entdeckt aber dann doch aus den Augen winkeln, dass sie ebenfalls aus den Augenwinkeln immer zuschaute, und wenn irgendwas Nettes passierte und sie sicher war, dass keiner zu ihr hin schaut, hatte sie sich auch uns zugewandt. Aber es war alles sehr schnell und immer so, dass ihr Gesicht nur schwer zu sehen war. und dann hab ich so rüber gewunken, die junge Frau neben mir auch, sie solle doch dazu kommen, weil wir alle da ins Wasser springen und Spass miteinander haben. Da stand sie auf, kam zu uns hergelaufen, setzte sich zu uns, weiter mit abgewandten Gesicht. Und wie sie so geschmeidig zu uns kam, war es wie ein Blitz, ein Donnerschlag, der mich in die Magengrube traf: sie war von einer so unwahrscheinlichen, körperlichen Schönheit, wie ich es noch nie – wirklich noch nie in meinem 81-jährigen Leben so gesehen habe. Unwahrscheinlich zarte Glieder, wunderbare Bewegungen wie so ein leichter Panther, dann eine Giacometti Figur d.h. ganz straff, mager, wohl proportionniert, sowohl Busen Po Bauch, Waden und was sich eingeprägt hat: irrsinnig langgestreckte Füsse mit langen zarten Zehen wie Finger. alles an diesem Körper war sowas von überlanger Zartheit, so ausgewogen stimmig, dass ich völlig schock-starr war – – und dann hat sie mich zum ersten Mal voll, direkt angeschaut und – oh Gott! Ich habe noch nie in meinem Leben ein so grauenhaft hässliches Gesicht gesehen. Nicht entstellt sondern einfach nur abgrundtief scheusslich: Es war ein disproportionales Gesicht mit Gurken-Nase, die fast in die Oberlippe überging, ein Haaransatz, der fast keine Stirn zuliess, sehr kleine Augen ein, ein leicht, schräg verschobenes Gesicht, aber nicht durch Unfall entstellt. Die Lippen waren klein wie von einem Säugling. Ich bin vor Schreck erstmal unter Wasser! Einerseits der schönste Körper im Giacometti Stil, gestreckt, wunderbare Bewegung und dann das hässlichste, erschreckende Gesicht, ich hab versucht natürlich mir nichts anmerken zu lassen. Ich streckte ihr die Hand hin, ob sie mit ins Wasser kommt und sie hat nur den Kopf geschüttelt, dann habe ich sie angesprochen, ob Sie Englisch sprechen kann und sie ganz leise mit abgewandtem Gesicht: portuguese. Ich: desculpa que eu nao falo portugues! Sie schüttelte mit abgewandtem Gesicht den Kopf, tippte leicht auf meine Schulter und verschwand mit weitausholenden Panther-Schritten…. Als ich wieder zu mir kam, war sie unwiederruflich verschwunden.

Die Kommentare sind geschlossen.