Februar 2023 in Brasilien – Teil 2

Es kann sein, dass dieser Tagebuch Eintrag der letzte zumindest der Brasilien Reise sein wird. Ich habe, wie im Info E-Mail schon geschrieben habe, beschlossen mit Daniel zurück zu fliegen nach Köln. Und dort werde ich am Mittwoch, den 15. Februar um 15:00 Uhr oder auch 16:00 Uhr je nachdem, ob wir den Zug nach Köln rechtzeitig erreichen. Bin mal gespannt, wie es sich anfühlen wird, von der hier nun wirklich wunderbaren Wärme (im Moment 28°) zu den null Celsius Graden. Ich habe nicht verlängert, weil hier noch Karneval kommt. Da ist für diese Tage wieder alles überfüllt. Das Haus, in dem wir wohnen ist ebenfalls in den Tagen zu 3-fachen Preis vermietet. Und ich müsste wieder umziehen. Da kann ich ebenso gut nach Köln reisen und dann wieder kommen. ich habe mal eine Option gesetzt für den ganzen April. Und in Köln sind soviel Dinge zu erledigen, die Berliner Wohnung verkaufen…
Freude hat mir gemacht, dass einige mir zum Tagebuch geschrieben haben, oder auch einfach angerufen über FaceTime oder WhatsApp zu speziellen Themen oder Anteilnahme. Mein letzter Lagebericht mit der Unterzuckerrung war wahrscheinlich ein wenig zu doll. Und ich hatte da geschrieben, dass ich mich dann in mein Auto gerettet habe. Und da bin ich aber dann nicht mit dem Auto gefahren, sondern die nächste Stunde alleine im Parkhaus sitzen geblieben und mich von dieser Absence langsam in die Realität zurückgehangelt.. Und danach bin ich erst wieder Auto gefahren. Ich fahre nur Auto, wenn mein Blutzucker im grünen Bereich zwischen 150 und 80 mindestens ist. 

Und eine der Fragen in den Gesprächen war, doch die Art des Umgangs miteinander zu beschreiben. Und das mache ich gerne, so gut ich kann. Das erste, was ich immer hier erlebe, ist, dass alles so stressfrei wirkt. Am Gepäckband im Flughafen fällt der so sorgsam gebaute Koffer-Berg mit der ganzen Karre um und der Owner davon lacht sich kaputt. Und mit großem Einsatz wird – von den Umstehenden unterstützt – alles auf 2 Karren umgeladen… In der Stadt wird nie gehupt. Auch beim schlimmsten Stau oder, wenn jemand an der Ampel schläft – kein Ton! Man muss zwar sehr aufpassen, defensives Fahren wird „bestraft“, man kommt dann einfach nicht voran. Man muss mitschwingen, mitschwimmen, und wenn man die Stoßstange 5 cm weiter vorne hat, dann kann man einscheren. Im Supermarkt an der Kasse, kein Stress. Auch wenn eine lange Schlange ist, wird niemand hektisch. Die Kassierer packen mit ein. Und wenn alles wieder im Einkaufswagen verstaut ist, erst dann wird bezahlt. Und dann kommt erst der Nächste dran! Natürlich sind hier noch genügend Arbeitskräfte…. Und diese entspannte Grundhaltung ist überall zu spüren – aber auch notwendig. Denn die Bürokratie ist ungeheuerlich.
Ich habe nur einmal ein etwas Rechthaberisches erlebt am Strand. Eine Familie kam mit allem Drum und dran an und setzte sich vor uns nieder ein wenig sehr nahe und Prothinjo bat sie ein wenig mehr Platz zu lassen. Aber der Vater der Truppe bellte „der Strand ist für alle da“… und das auf Spanisch – ach, das waren Argentinier.
Vielleicht hilft auch, dass die Portugiesen / Brasilianer für danke das allseits bekannte Obrigado unter Obrigado nutzen. Wenn es aber weniger formal ist, wärmer, persönlicher, unter Freunden, dann sagen Sie eher Valeu.

Wir haben hier nun nach der Barra do Lagoa ein anderes, wirklich wunderbares Haus in Campeche 30 m zu Zugang zu den Dünen, zuerst durch einen Mangroven Tunnel und dann Dünenlandschaft und die grandiose weite Strand-Welt Atlantik. Hoffe, das mit den Fotos etwas einzufangen. Jetzt war die ganze Woche irgendwas los, so dass ich zu Reflexionen überhaupt nicht gekommen bin – auch gut. Ein wenig fürchte ich mich vor der anderen Seite des Atlantiks: Ukraine, Pandemie-Aufarbeitung, Berlin Desaster… aber auch Schönes wie die Kölner Lohsestrasse-Community mit den Kindern Dani, Jule, Lele… Und oben werde ich zwei unabhängige Zimmer haben für Gäste. Erstmal werden Lele und ihre Freundin bis Ende August einziehen. Auch auf meine Brandenburger Familie Marcel und seine Simone und die Kinder freue ich mich und Edwins Atelier…. Also alles gut. Und wenn mir die Nerven durchgehen, dann fahre ich wieder her. Und wenn ich Einsamkeit brauche, habe ich immer noch das Hausboot!

Ein Kommentar

  1. Heute, Sonntag 12. Februar, haben wir auch alle Freunde mit Frauen und Kindern und Freunden zum Abschied eingeladen. Es ist eine richtige Churrasqueira: und das läuft ganz anders ab hier: alle treffen sich so um 9:00 Uhr am Strand und dann wird mit Kindern und allen Drum und Dran das Sonnenzelt aufgebaut, im Wasser gespielt und die Jungs gehen Surfen. Wobei Dani zu den Stars gehört. Auf 13:00 Uhr kommen alle zurück und dann wird der Grill angeschmissen, das Bier ausgepackt und Siane macht die tollsten Fruchtdrinks mit und ohne Alkohol, eher mehr Alkohol! Ich als der älteste und in der Rolle des zweifelsohne geachteten Opa (und damit auch tendenziell uninteressant) versorge die vier kleinen Mädchen mit Wasser und Sprudel und habe bestimmt 1 Stunde dran gearbeitet, eine Riesenschüssel Salat zu machen – das sind die natürlichen Großeltern Aufgaben!
    und das hier ist natürlich ein sehr internationales Freundeskreis, wir sprechen mehrere Sprachen durcheinander und doch inzwischen meistens Englisch, aber auch viel französisch, und so übe ich mich wieder im lockeren Gespräch. Spannend ist ein längeres Gespräch zu Begriffen wie „Kitsch“ in Englisch , deutsch und Französisch… Themen der Politik, Ukraine, Sinn und Unsinn der Pandemie oder eines unserer europäischen Reizthemen finden nicht statt. Es ist einfach nicht Thema… Es scheint mir hier so eine ungeheuer warme Konsens-Kultur zu sein. Was passiert mit dem Land, wenn der Bolsonaro – Lula Konflikt ausgetragen würde?
    Diese Konsens-Kultur mehr unbewusst entspricht ja dem Sinn der Kohärenz, der Sinnhaftigkeit (Salutogenese / Hüther) und ist zweifelsohne die Grundlage für glückliches Erleben bzw. Leben. Und hier in diesen zwei Monaten in Brasiliens Florianopolis, in einer Stadt, die so glamourös ist ist wie mein B.-Baden nach dem Krieg – wieso bin da eigentlich weg, wieso gehe ich eigentlich jetzt auch weg von Floripa?. Was reizt oder zwingt mich, durch die verschiedensten Welten, Orte zu gehen, sich immer wieder einzulassen in die jeweiligen Narrative der dort herrschenden Gemeinsamkeit… Und eigentlich sind alle meine gegenwärtigen Orte / Empfindungs-Kontakt-Welten in sich spannend und befriedigend oder sind es gewesen.Ich denke da an Cornucopia-Kentucky, Osho, IAK-Köln, Berlin Anthro und Film, Hausboot und Brandenburg… Bin mal gespannt, wo mein finales Einpendeln stattfinden wird. So zerrissen, wie es in den ersten 5 Jahren gestartet ist? Oder kommt die große Ruhe?

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