Rainer Wetz
Lohsestrasse 55
50733 Köln
So, jetzt ist es so: Ich bin in Köln seit gestern 15:33 Uhr sind Daniel und ich in Köln Hauptbahnhof angekommen. Und wie von den Freunden informiert hat uns wunderbare Sonne begrüßt. Es war nur ungebührlich kalt. Aber wir hatten uns im Flugzeug bereits umgezogen und hatten es nun ganz schön warm und ich fand’s auch gar nicht so unangenehm. Die Sonne wärmte sehr und gleichzeitig war eine doch verhältnismäßig trockene, kalte Luft.
Die Rückreise war am Montag hier in Florianopolis gestartet . Wir mussten so um 11:00 Uhr oder 12:00 Uhr spätestens das von uns doch sehr geliebte Miet-Haus verlassen. Daniel war morgens mit Isabel die 120 m bis zum Meer gelaufen, und sie sind noch 2 Stunden gesurft bis 10:30 Uhr und dann haben wir alles Essbare in eine Kiste getan und Beatriz hat das bei sich ins Auto geladen. Dann haben wir uns von der Hausbesitzerin und unserer Familie Beatriz, und Isabel verabschiedet und sind jeder in sein Auto gestiegen (wir hatten ja zwei, weil wir sehr unabhängig sein wollten). Ja dann eben Richtung Flugplatz bei Traumwetter wieder, vorher noch getankt, und dabei würde Daniel von der Hausbesitzerin angerufen, dass er seine zwei frisch gebügelt Hemden im Schrank vergessen hat. Da die Strecke aber nur 20 Minuten entfernt war und wir sehr gut in der Zeit waren, ist er schnell zurück gefahren und hat die Hemden geholt. So war nun alles wieder prima und entspannt. Im Geheimen war ich schon ganz froh, dass er mal was von verdödelt hat. Ich, der wieder die Schlüssel nicht gefunden hat, der seine Medikamente nicht hatte, der seinen Impfpass nicht mehr gefunden hat…. Aber der Kosmos hat mir diesen kleinen Ausgleich nicht geschenkt. Wir sind dann wie üblich mit dem Leihwagen Bus zum Airport gefahren worden. Dann jeder, seine anderthalb Koffer ausgeladen, wobei mir wieder auffiel, wie hilfreich und unterstützend die Angestellten waren. Sie haben aktiv ausgeladen, sich wirklich mit Augenkontakt verabschiedet und gedankt, dass wir in der Leihwagen Firma gebucht hatten. Dani und ich sind dann in die Airport Halle gegangen haben, geschaut, wo wir das Gepäck abgeben können da, fiel mir auf, dass ich meinen Rucksack nicht auf dem Rücken habe. Ach so ein Schreck, ohne den Rucksack kann ich nicht nach Europa fliegen. Da sind alle Papiere, Reisepass, etc. drin sowie insbesondere alle Medikamente, ohne die ich nicht länger als 5 Stunden sein kann. Als Sicherheitsreserve habe ich zwar immer eine Insulinspritze in der Hosentasche. Aber das wäre garantiert nicht gegangen. Wer kann in einem unbeobachteten Moment, 1 Sekunde mein Rucksack geklaut haben?. Ich hoffte, dass ich ihn aus Versehen in einem Zustand geistiger Umnachtung oder eben Unkonzentriertheit im Bus habe liegen lassen. Nun nach Telefonaten und mehreren Bussen ab zu warten, kam der erlösende Nachricht. Ja, wir haben ihren roten Rucksack unter dem Sitz an der Stelle, die sie beschrieben haben, gefunden. Wir kommen in 10 Minuten!!! ich war unsäglich natürlich erleichtert, auch Daniel, der mir keinerlei Vorwurf machte. Aber leider habe ich wieder das Dödel-Konto unserer Reise bekräftigt.
Hat doch unsere gemeinsame Reise ein interessantes Phänomen getätigt, dass mir in der Therapie und Coaching gelegentlich schon bei Klienten vorkam: natürlich ist der Vater bei seinen Kindern in den Zeiten, wo sie gemeinsam in Ferien fahren, der sichere Macher / Hüter alle Unterlagen, Alarm, Vorbereitungen und Buchungen. Und dafür wird er ja auch von seinen Kindern geliebt, geachtet. Wenn aber dann die Zeit kommt, an denen die Kinder nicht mehr Kinder sind, sondern Erwachsene, die selbsttätig ihre Reisen buchen, nun vielleicht die gemeinsamen Reisen buchen für den älter gewordenen Vater, und dann ändern sich die Rollen heftig. Mein Sohn (51 Jahre) ist so viel schneller und besser im Organisieren. In meiner familiären Situation der Lohsestraße geht es mir (mit Julia abgemildert, da wir ja keine gemeinsamen Reisen machen, aber im täglichen Leben kommt sie mir eben auch so viel schneller und so viel hilfreicher und so viel klarer sortiert vor) Und ich könnte mir vorstellen, dass zum Beispiel Daniel, der in allem wahnsinnig schnell, sortiert und kontrolliert ist, mit leichtem bis starkem Genervt sein für mich die Sachen bucht: Brasilien Flug, die Häuser, den Mietwagen.
Natürlich weiss ich, spüre ich, dass ich längst nicht so schnell wäre, ja auch inzwischen viel entscheidungsschwächer bin. Noch peinlicher: ich habe schon Angst entwickelt, Fehler zu machen… Und diese Angst kreiert natürlich die Fehler zusätzlich. Von daher habe ich mir angewöhnt, möglichst brav mitzumachen und mitzugehen, und wie ein Luchs darauf aufzupassen, was ich als Unterlagen oder Notwendigkeit vorhalten muss. Andererseits ist es auch wunderbar angenehm, nicht ständig für alles Sorgen zu müssen. Es fällt mir nicht leicht.
Wir sind vom Schreck gebeutelt dennoch entspannt ans Gate wo Daniel als Senator Flieger der Lufthansa sofort das Einchecken hin bekam und wir hatten wunderbare sitze und Service im Flieger, wo generell eine entspannte und freundliche Atmosphäre herrscht. Und als ob der Kosmos mir zeigen wollte, dass diese Entscheidung zurück zu fliegen nach Deutschland nicht unbedingt das Beste ist. Es fing gleich in São Paulo an, als wir die Lufthansa betraten.Die uns betreuende Steward*essen trugen teilweise Masken. Und als ich unsere Stewardess fragte, da ich sie nicht verstand, kurz die Maske zu senken, da ich Lippenleser bin, bekam ich eine herbe Abfuhr. Okay… Es stellte sich auch raus, dass die Dame mehr als hektisch, wohl zwanghaft war – sie schmiss den Service-Wagen fast um etc… aber die Stimmung war plötzlich sehr deutsch / europäisch. Eine Brasilianische Familie stieg Ein mit zwei süßen kleinen Kindern und einer gigantisch fetten brasilianischen Großmutter. Die hatten zwar ordentlich vier Plätze in der Business Class gebucht. (der Vater war wohl ein saudischer Prince), die Familie, Großmutter, Mutter und die zwei Kinder nebeneinander oder direkt hinter einander gemeinsam sitzen konnten, versuchte die Kabinen Crew zwei Männer, die jeweils einen Fensterplatz hatten, wenigstens einen von den beiden dazu zu bewegen, seinen Platz aufzugeben, damit die Familie zusammenkommt. Aber in einer klaren Kühle hat jeder von den beiden, sorry deutschen, verweigert seinen Sitzplatz aufzugeben. Dani hat die Härte der europäischen Kälte aufgewogen, indem er mit seinem perfekten Portugiesisch mit der Großmutter ein längeres, sehr unterstützendes Gespräch geführt hat. Und beim Aussteigen sind die beiden Gemüts-Staffel ausgestiegen ohne jede Art von Kontaktansatz/Gruß oder Hilfe – während Daniel und ich geholfen haben, dass die so süßen Kinder unbeschadet das Flugzeug verlassen können. Wir haben zusätzlich deren Rollkoffer getragen. Aber niemand vom Boden- oder Flug Personal war da und hätte der Mutter, die das kleinste Kind auf dem Arm trug, geholfen diese steile Treppe in der 747 wieder runter und auf das normal Deck hinzu bekommen, ohne zu stürzen. Nachdem ich eben in Brasilien so genau hingeschaut habe, ob diese brasilianische Freundlichkeit von mir überhaupt eine Einbildung ist, so war hier eine massive Schulung in Kälte und Distanz. Sowohl das eigenartige Kabinenpersonal wie die eigenartigen „Platzbesitzer“ europäischer Herkunft lehrten mich, was hier so Usus istl. Und dann die vielbesungene deutsche Organisation und Effizienz: In den brasilianischen Flughäfen war alles einfach und – neuer Flughafen in Floripa – auch easy zu verstehen. Alles war in der vorgegebenen Zeit erledigt – Anflug und Abflug. In Frankfurt aber war das schlichte Chaos. Wie wir später lasen, hatte ein Bagger die IT Leitungen der Lufthansa zerstört. Und das führte aber dazu, dass überhaupt nichts mehr lief. Selbst per Telefon konnten die Angestellten niemanden erreichen, der eine Auskunft gegeben hätte. Oder wir hatten den Flug ja durch gebucht bis Köln, d.h. wir hatten ein Recht erworben, von Frankfurt Airport nach Köln Hauptbahnhof transportiert zu werden. Aber wir konnten keinen Voucher dafür bekommen, das ging nur online. Und einen Plan B gab es nicht für die Angestellten. Die durften uns nicht zum Beispiel handschriftlich bestätigen, dass wir den Transfair bereits bezahlt haben und das Recht haben, einen Platz zu bekommen. Und alle waren dabei eher stinkig, außer einem Mitarbeiter aus einem Migrationsland, der das mit vergnüglichen Gelächter begleitete. Das ganze hin und her. Lange Rede kurzer Sinn, Chaos durcheinander, reiner Zufall vielleicht, aber wir haben dann uns einen Fahrkarte gekauft und den Transfer halt noch mal sicherheitshalber selber bezahlt, um nach Köln zu kommen. Absatz
Und hier war es dann natürlich auch wunderschön: Einmal hatte mich Rosangela, unsere ehemalige Kinderfrau und nun als Haushälterin von mir, begrüßt in der lose Straße, alles war total tipptopp von Bettina Rosangela und auch Gülnaz, Rosangela war da noch schnell einkaufen beim Rewe auf der Neusserstraße bei Alnatura und beim netto Reformhaus Dahmen.Ich war eher ein wenig geschockt, wie klein und eng das Ganze war. Beim Rewe war alles wahnsinnig eng und gedrückt und das Obst und Gemüseangebot sowohl bei Alnatura wie bei Rewe war gut aber kein Vergleich zu den Supermärkten in Brasilien. Natürlich haben die ein ganz anderes Hinterland.
Und dann war ich wunderbar essen mit der Kölner Familie Lele Jakob die aus Aachen da waren zum Abendessen und gesprächen. Und als ich dann um 22:00 Uhr nach Hause kam, traf ich noch aus meiner Lohsestraßen-Familie, den Jörg und den Samy, der vor 2 Monaten ja auch in Floriannopolis für zwei Wochen war. Und auch da hat sich ein weinbeflügeltere, spannendes Gespräch zu der politischen Lage in Brasilien, der Klassen, Ausgleich von Reich und Arm, Maslow-Pyramide etc. etc ergeben. Und Samy, der vorher in Argentinien war nach seinem Abitur und eben für 2 Wochen nach Floripa zu Besuch kam, hat das Kontakt Thema prima uf den Punkt verdichtet: „Die Brasilianer schauen einem in die Augen“. Und das trifft den Nagel auf den Kopf. In Brasilien fühlte mich ich mich immer als Person wahrgenommen und immer eher eingeladen. In Deutschland finde ich, dass wir es jetzt durch die Pandemie noch stärker gelernt und verinnerlicht haben, den Kontakt zu vermeiden und eher nicht in die Augen zu schauen, sondern sich weg zu halten. Ach, hätten wir doch die Beiträge von einem zu tiefst buddhistischen Bhakti, einem guten, kämpferischen Wodarg und einem anthroposophisch warmherzigen Professor Mattes bei der Strategie in der Pandemie mit berücksichtigt…..
Nun, ich bin also wieder hier in Deutschland
Und wie geht es weiter? Ich weiss es auch nicht genau. Nur ist mir klar geworden, dass meine Heimat bzw. der Ort, wo ich bis zum Tod leben kann, die Lohsestrasse ist mit ihren vielfältigen Geschichten, Dramen und Lieben. Hier plane ich die ersten beiden Ebenen für mich zu halten inkl. der schönen Küche.
Das Dachgeschoss ist in meiner Brasilienzeit wieder in 2 Räume geteilt, mit einer eigenen kleinen Küche und ebenfalls der alten Toilette / Bad – von Edwin einst 1976 gebaut, was die Freundschaft von Edwin und mir begründete und auch der damals 4-jährigen Daniel und Artis bis heute. Die beiden Räume sollen Gästezimmer sein. Zuerst zieht Lele für 4 Monate ein mit ihrer Freundin. Und dann freue ich mich, wenn Freunde kommen….Sollte ich bettlägerig werden, dann werde ich die Pflegekraft unten wohnen lassen und mein Ende im Lichtzimmer erwarten
Zu Berlin: Ich plane, die Wohnung in Berlin zu verkaufen. Das Atelier im Vorderhaus habe ich mit Conny einst so ausgebaut, dass eine Einzelperson darin auch leben kann. Und das möchte ich auch Conny weiter ermöglichen. So werde ich dieses Atelier nicht verkaufen, sondern weiter „subventionieren“ so lange mir dies möglich ist.
Die Büroräume in der Rudolfstr. 11 werde ich behalten. Schließlich kann ich dort prima wohnen und habe den guten, tiefen Kontakt mit meinen Berliner Pollyfilmern.
Das Hausboot im Wentowsee kann ich nicht verkaufen – sobald ein Besitzerwechsel angekündigt wird, erlischt das Nutzungsrecht. Wenn ich also sterbe, rate ich den Erben, nichts zu vermelden – einfach weiter nutzen bis ich rein formal 200 Jahre oder mehr alt am Wentowsee werde. Dann fällt das vielleicht auf ;-). Besitzer des Waldes ist jetzt der Remondis-Besitzer, der Wasser und Wald überall aufkauft mit den Müll-Milliarden, die er anhäuft… Möge es sinnvoll sein.
Ich merke zwar sehr entschieden, dass ich energetisch und auch intellektuell nicht mehr wirklich leistungsfähig bin. Aber ich bin vom Herzen weiter warm an den Menschen interessiert und will beitragen, mit meinen Finanzen und meiner schwindenden Kraft, das Menschliche, Warme, Zugewandte, Nährende, Naturverbundene zu fördern.
Interessant für die Zukunft finde ich z.Zt. die Selbstversorger-Szene, die Nebenerwerbs-Bauernschaft, das urban gardening etc. als Möglichkeit für eine Davos-freie Weiterentwicklung (Vananda Shiva-Verbindung) der bäuerlichen Versorgung im Einklang mit der Natur.
Ein kleines Projekt habe ich fast zufällig losgetreten mit Simone, Marcel und den Kindern Matilda und Valentin – vom Hausboot ausgehend aber nun 150 km im Norden in MeckPomm, wo es noch Platz gibt. Es macht mir große Freude. Wobei eben wieder meine Freunde entscheidend waren bei der Realisierung.
Und wenn mir alles auf die Eier geht, dann ziehe ich einfach nach Brasilien. Ich habe dort mehrere der 2. oder dritten Generation gesprochen, deren Vorfahren aus welchen Gründen auch immer (Juden, Nazis, Bauern, Verbrecher) sich nach Brasilien gerettet haben. Und das sind jetzt tolle Leute, die haben Freude am Leben – für die Altvorderen war’s eben anstrengend…wir sind nicht auf die Erde gekommen, um es nur leicht zu haben. Also ist ein Wechsel nach Brasilien für mich auch denkbar.
Tja, und zum Abschluss des Privat-Blogs möchte ich mich bei euch bedanken, dass keiner ein bösartiges oder verärgertes Feedback gegeben hat zu meinen „Laber“texten, die ich wirklich so runter gesprochen habe und im Nachhinein natürlich auch bearbeitet habe – aber auch Widersprüchliches und halb Gares habe stehen lassen. Ich bin einfach nicht besser, als ich bin. Und eine herbe Ablehnung hätte mich natürlich total verängstigt und gestoppt. Und die Vorstellung, Euch etwas zu erzählen ohne mich zu verstellen, hat mich energetisiert, sprich Spass gemacht. Manchmal habe ich gemerkt, dass ich das Jeweilige einem Einzelnen erzählt habe. Mal habe ich einen ganzen Absatz gelöscht bzw. per Copy / Paste dann demjenigen in einer privaten Email zugeschickt – für uns alle wäre das zu privat.
Und ich lasse mal diesen Kanal weiter offen. Es können ja Dinge passieren, die ich schon euch allen vermitteln will sollte. Zum Beispiel wenn’s ans Sterben geht, könnte es ja wirklich interessant sein, zu vermitteln.Hm, weiss ich nicht…. Aber sehen wir mal…
LG
Rainer



