Es hat nicht Direkt mit dem nachfolgenden Text oder Erzählung zu tun. Aber Suzanne und Sven sind mehr eigentlich fast immer wöchentlich ein warmer naher Kontakt. Zur Zeit bin ich wieder in Köln in der Lose Straße und ich bin bei meinem Urologen. Johan DenilZur Zeit bin ich wieder in Köln in der Lose Straße und ich bin bei meinem Urologen Johan Denil, um die Frage nach Prostata-Tumor zu klären.

31. Juli 2025 Lohse

Hi Rainer, nur zur Erinnerung, was im Moment gerade so läuft: vergangene Woche war ich zur Fusion Biopsie meiner Prostata, da wir im letzten MRT einen neuen, sehr kleinen verdächtigen Bereich entdeckt haben, der in den letzten drei Jahren irgendwann entstanden ist. Die Fusionsbiopsie in Meschenich war beeindruckend. Und wie unsere Gesellschaft so einseitig technoid entwickelt ist, so scheint es mir auch in der Medizin zu sein, nach meinen Erfahrungen: fantastische Technik, fantastische neue Entwicklungen innerhalb kürzester Zeit – bereits mit KI angereicherte MRT Analyse Programme etc! Aber das ganzheitliche, fürsorgliche und letztlich heilende, da sind wir wirklich schwach!

Die letzten zwei Tage habe ich intensiver darüber nachgedacht, ob ich den Prostata-Krebs wachsen lasse und eben früher gehe oder ob ich die interne Strahlentherapie mache und evtl. länger lebe. Dabei habe ich psychische Achterbahn gefahren: verschiedene Phasen durchgemacht von Feigheit, von Interesse am Übergang, am sich einfühlen, wie es ist, wenn ich tatsächlich 20 Einheiten Insulin spritze, ob ich dann irgendwann ein Kilo Zucker schlucke??? Aber ich werde dazu sofort drei starke Schlaftabletten schlucken. Ich nehme von einer Tablette selten ein Viertel. Und da schlaf ich sofort weg!

Dann habe ich aber final doch zukunftsorientiert freudig mir Blut abnehmen lassen bei Johan Denil gestern und schaue mal was mein PSA Wert bringt und mir vielleicht hilft bei der grundsätzlichen Entscheidung.

Die Tage davor war ich mit Carlotta und ihren vier weiblichen Enkeln (9-12 Jahre), zwei Tage am Hausboot, Scheißwetter und ein brutales Abholzen des Waldes um uns. Wir konnten unmöglich durch den Wald mit dem Auto. So haben wir den Falt-Bollerwagen von Carlotta voll gepackt und die Kinder haben ihr Pfadfinder Rucksäcke aufgenommen (wohin wollen denn diese Riesensäcke mit den kleinen zarten Körperchen drunter?) – dann haben wir uns wie Abenteurer durch die zerklüftete Bodenwellen gekämpft, die durch diese Riesen Trecker, die die Bäume raus geschleppt haben, 30 cm tief entstanden. Und dabei habe ich – immer wieder außer Atem – den tapferen Mädchen versucht zu erzählen, wie wir in Kentucky in unserem Wald die ausgesuchten Einzelstämme herausgezogen haben mit zwei riesigen Kaltblüter-Pferde, fast weiß mit langer, dichter Mähne. Ihr „Lenker“ war ein junger, ganz dünner Nachbar, der mit diese mit 4 Zügeln – immer zwei um den jeweiligen Ringfinger gewickelt – sowie Zungen-Schnalzen und verschiedenen Knalllauten lenkte. Zum Beispiel erinnere ich, dass ein Schnalzen bedeutete „Stand suchen“, „Ziehen“ wurde dann durch Zupfen am Zügel und einem bestimmten Zungen-Knall befohlen, und so arbeiteten sich diese wunderbaren Pferde-Riesen langsam durch den Wald ohne die Erde wirklich zu verletzen. Bernd und auch ich konnten so im Wald einen Baum aussuchen, der für das jeweilige Projekt wichtig war. Die anderen Bäume konnten in Ruhe gelassen werden. Dagegen sah es hier in Nord-Brandenburg aus, als ob ein Krieg gegen Bäume ausgebrochen wäre. Und nur nebenbei: Bernd hatte damals in KY seinen/unseren Wald sehr gepflegt und sogar eine neue Scheune gebaut, um das Holz gut lagern und trocknen zu können. Er hat ungefähr zwei Jahre nach mir seine Grundstücke verkauft an einen Urenkel des einstigen Besitzers dieses ganzen Gebietes. Und dieser Urenkel hat seine Begeisterung so glaubhaft vermittelt, wie schön es für ihn ist, einen Teil des Matingly-Gebietes wieder in die Familie zu holen. Und es ist nicht zu glauben: dieser „Urenkel“ hat sofort eine Woche nach der notariellen Besitznahme im Internet das ganze Gebiet von Bernd zum Kauf angeboten und hat den Wald mit riesigen Maschinen gefällt, zerstört und verkauft. So veränderte sich die Welt zum Trump-ismus. Der Sumpf ist nicht Trump oder der Urenkel-Lump – die sind nur Sonderblüten… Diesen Sumpf haben wir alle entstehen lassen…

Und so kämpften wir uns eine dreviertel Stunde durch den bedrückend gefällten Wald in Brandenburg, über und durch eine völlig vermatschte, durch die riesigen Treckerspuren verdichtete und vertiefte Erde, umgerissene Baumstümpfe, wo überall erstmal alles Leben vernichtet und zerrissen schien. Schrecklich war die Stille: kein Insekten-Brummen, kein Vogel laut – eine schrecklich leblose Lautlosigkeit

Am Hausboot angekommen war zuerst auch noch der Strom ausgefallen – Schock!!! Aber es war dennoch eine Rettung aus dystopischer Welt… keine matsch-Pfützen mit braunen, toten Blättern, keine geköpften wurzeln Ballen zur Hälfte noch in der Erde zur anderen Hälfte mit verzweifelten Wurzeln in den Himmel reichend. Nein, das war eine Menschen-Tür da, dahinter ein Menschen-Raum mit einer schützenden Decke, auch ein Bett war zu sehen mit Deckbett und Kopfkissen und alles trocken – eine Menschen-Höhle, in der wir zur Not überleben könnten… und dann hatten wir wieder plötzlich den rechten Schalter gefunden und damit dann Licht, warmes Essen und Musik.

Carlotta hat mich Sonntag danach auf den Zug gebracht in Dannenwalde nach Berlin. Bei einem Umsteigevorgang bin ich aus Versehen im Zug sitzen geblieben und habe den Anschluss verpasst. Nächstes Abenteuer: Eine deutsche Volltrampel-Schaffnerin hat mich despektierlich sitzen lassen (Selbst schuld der Idiot) – und ein reizender Bahnangestellter mit Migrationshintergrund (!) hat mich gerettet und mir Züge rausgesucht, mit denen ich doch noch nach Berlin kam. Am Montag bin ich ziemlich hektisch und durcheinander noch in den Zug gekommen. Ich hatte erste Klasse gebucht, um mich zu erholen! Aber der ganze Waggon war gesperrt, weil kaputt. Nur ein handgeschriebener Zettel (kaputt) hing an der Tür.

Ich bin in Köln sehr spät am Abend beziehungsweise in der Nacht angekommen und habe versucht mich von dieser Abenteuerreise zu erholen durch einen kräftigen, langen Schlaf. Jetzt fahre ich zu Jacky, unserem Schrauber in Höhenhauser Ring und bringe ihm Schlupfwespen. Die sollen alle Motten mit Eiern auffressen, die in meinem Oldtimer Jaguar alles angefressen haben, was natürlichen Ursprung ist. Also alle Wolle, das Verdeck, die Matten, alles mit Eiern voll und Wolken von Motten.